Reinhardt Engert mit Silber und einem verpatzten EM Titel

Nach und nach wurden fast alle wegen Corona verschobenen Triathlon- und Duathlon Wettbewerbe auf internationaler Ebene nachgeholt. Für die X-Terra Szene wurde die Europameisterschaft erst sehr spät in Paganella in den Italienischen Dolomiten durchgeführt. Da bei diesen Events Laufen und Mountainbiken im Hochgebirge unter schwierigsten Bedingungen stattfindet, müssen die Athleten darauf sehr gut vorbereitet sein. Deshalb reduziert sich hierbei das Teilnehmerfeld auf Sportler aus den Alpenländern und anderen Hochgebirgsregionen. Reinhardt Engert vom SV Stahl Hennigsdorf ging hier trotzdem zweimal in der AK M 70 an den Start. Duathlon und Triathlon innerhalb von 2 Tagen. Sein Trainingsgelände vorher war der Teufelsberg im Grunewald und die Hermsdorfer Berge. In keiner Weise vergleichbar mit den Bedingungen in den Bergen rund um Paganella. Experten sprachen sogar von der schwersten Radstrecke in Europa.

 Zum Streckentraining blieb wenig Zeit, da vorher erstmal 1000 Autokilometer bewältigt werden mußten und  der Kurs erst einen Tag vor dem eigentlichen Wettkampf voll ausgeschildert war. Einmal alles abfahren und ablaufen mußte reichen, denn schon einen Tag später wurde es ernst. In Andalo, einem Kur- und Erhohlungsort wurde am Stadion in mehreren Blöcken gestartet. Für die beiden Laufrunden zu je 4 km ging es sofort auf anspruchsvollem Untergrund  ständig nach oben.  Ich hatte Konkurrenz aus Deutschland, Österreich und Italien. Nachdem sich das Feld sortiert hatte lag ich auf Platz 2 hinter Reinhard Joas aus Bayern. Der ging so forsch an, daß ich  nicht folgen konnte. Da ich seine Laufqualitäten kannte, mußte ich ihn ziehen lassen und den 2. Platz absichern und mir vor meinen Verfolgern einen Vorsprung verschafften. So erfolgte auch der Wechsel auf das Rad. Platz 2 behaltren und die beiden Radrunden zu je 15 km gut überstehen, war das Ziel. Aber da gab es noch ein Zeitlimit. Wer nach 4 Stunden nicht auf der 2. Laufstrecke war, mußte das Rennen beenden. Und das war für die höheren Altersklassen eine fast unüberwindbare Barriere. Denn schon auf den ersten 4 Kilometern ging es so steil hoch, daß da schon mehrmals geschoben werden mußte. Schotter, loses Geröll und Felsen waren ständige Wegbegleiter. Der Trail durch den Hochwald war von dicken quer liegenden Wurzeln durchsetzt, die immer wieder ein Wegrutschen zur Folge hatten. Dann ging es  genau so steil wieder hinunter auf einer ausgebauten Downhillstrecke mit Sprunghügeln und engen Kurven. Auf hölzernen Brücken war Drahtgewege angebracht, um nicht wegzurutschen Durch das fortwährende Anbremsen und Loslassen und der Gewichtsverlagerung nach vorne auf den Oberkörper ermüdeten die Arme schnell. Die wurden aber gebraucht bei der Talabfahrt runter nach Molveno zum See, wo in 2 Tagen der Triathlon stattfand. 150 Höhenmeter auf schnurgerader Betonstraße erlaubten da hinunter Geschwindigkeiten über 60 kmh. Damit es nicht noch schneller wurde, waren mehrere Schikanen aufgebaut vor denen man voll runterbremsen mußte. Da der Ort Molveno in einen Berghang gebaut ist wurde es im Ort selber noch schwieriger, durch die engen Gassen und Steilkurven zu kommen. Eine Steintreppe mit 25 Stufen wurde zur Mutprobe. Viele stiegen ab. Ich hatte das vorher mehrmals trainiert und kam gut runter. Auf einem gesteckte Parcour am See gab es kurze Erholung, ehe es auf der anderen Seite wieder nach oben ging zum Ausgangspunkt. Ich lag immer noch auf Platz 2, von den Verfolgern keine Spur. Wenn die jetzt als starke Radfahrer nicht rankommen, könnte das reichen, denn im Laufen habe ich die besseren karten. Ein Blick auf die Uhr erlaubte aber kein Ausruhen. Denn es gabe ein Zeitlimit, gleich für alle Teilnehmer. Die 2. Runde mußte etwa annähernd gleich schnell gefahren werden, um nach 4 Stunden rechtzeitig im Wechselraum zu sein.   Und das wurde immer schwerer. Ermüdungserscheinungen stellten sich ein und die Zeit veran. Aber ich schaffte es und  ging relativ auf die letzten Laufkilometer. Am Ende wurde ichVize Europameister vor Reinhardt Joas und dem Österreicher Anthon Hergoth.

Der Triathlon stand unter einem schlechten Stern. Eine Schlechtwetterperiode war im Anmarsch. Dazu eiskaltes Wasser im Bergsee von Molveno. Viele Athleten traten wegen dieser Bedingungen vom Start zurück. Auch  bei den 70 jährigen sagten alle gemeldeten Teilnehmer ab. Ich war jetzt allein unterwegs und hatte nur die Uhr zum Gegner, denn auch hier gab es ein Zeitlimit. Wer nach 4 Stunden und 15 Minuten nicht auf der Laufstrecke war, wurde nicht mehr gewertet. Für die hohen Altersklassen, die auch noch zuletzt zum Schwimmen starteten, fast nicht zu machen. Da ich kein guter Schwimmer bin, war ich fast 50 Minuten für die 1,5 km im Wasser und ging unterkühlt auf das Rad. Es war fast die gleiche Runde wie beim Duathlon, nur daß es erst wieder hoch nach Andalo ging und dann wieder zurück. Am Ende der 1. Radrunde  waren einige vor mir liegende Fahrer wieder eingeholt. Aber nun begann es zu regnen. Da die Strecke rutschig und glatt wurde, war das Tempo der 1. Runde nicht zu halten. Steine mit Moos bewachsen fuhren sich wie auf Schmierseife. Auf den Wurzeln fand sich kein Grip und zwischen den Bäumen wurde es richtig gefährlich. Um nicht zu stürzen und um gesundheitliche Schäden zu vermeiden, fuhr ich diese Runde wesentlich langsamer und auf Sicherheit. Meine Gesundheit war wichtiger. Selbst auf den Pflastersteinen im Ort wurde es äußerst prekär. Zum Wechsel auf die letzten 10 km Laufen fehlte lediglich1 Minute und das Rennen wurde von den Kampfrichtern für mich beendet. Alleine aus der Deutschen Mannschaft waren von dieser unverständlichen Regel der ETU 7 Athleten betroffen, die noch wesentlich jünger waren. Es gab mehrfachen Protest und Einsprüche, die aber alle abgelehnt wurden. Es gab keinen Plan B für Wetterumbrüche. Da sollte sich in Zukunft einiges ändern. Zumindestens sollte es ein Altersklassen gestaffeltes Zeitlimit geben.